Soziologie, Politik
Sigrid Grabner und Hendrik Röder (Hg.)
Ich bin, der ich war
Henning von Tresckow 19011944. Texte und DokumenteBroschur, 159 Seiten, 23 Schwarzweißabbildungen
2001 ISBN 3-931836-61-4 DM 29,80Henning von Tresckow (19011944) war der Kopf und das Herz des militärischen Widerstands gegen Hitler. Trotz vieler Publikationen über die Männer des 20. Juli 1944 und ihre Frauen wissen wir bis heute wenig über den Menschen Henning von Tresckow über seinen Werdegang, seine Familie, seine Ansichten und die Antriebe seines Handelns. Das vorliegende Buch macht der Öffentlichkeit erstmals Dokumente und Berichte von Zeitzeugen zugänglich, die Henning von Tresckow persönlich kannten. Ein Interview mit seiner Tochter Uta von Aretin und drei Essays stellen das Leben Tresckows in historische Zusammenhänge. Erkennbar wird ein erstaunlich gegenwärtiger Mensch.
Mit Beiträgen und Dokumenten u.a. von: Henning von Tresckow, Erika von Tresckow, Graf zu Eulenburg, Xaver Heim, Eberhard von Breitenbuch, Sigrid Grabner, Joachim Fest
Inhaltsverzeichnis, Titelei, Vorwort (PDF)
Andreas G. Graf (Hg.)
Anarchisten gegen Hitler
Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und ExilBroschur, 317 Seiten, 43 Schwarzweißabbildungen
2001 ISBN 3-931836-23-1 DM 48,Obwohl der Arbeiterwiderstand in den letzten Jahren gründlich erforscht wurde, trifft man immer wieder auf »weiße Flecken«. Unter Historikern hat der Widerstand von Anarchisten nur mühsam eine Stimme gefunden und stellt nach wie vor eine Irritation dar. Hinderlich bei jedem Versuch der Aneignung waren oftmals Verengungen des Blicks, der bewußt auf eine einseitige Traditionsbildung zielte. In diesem Buch gehen elf ausgewiesene Autoren der Frage nach, wie Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten und Trotzkisten in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus artikuliert haben und welche Strategien sie entwickelten, um sich zu behaupten. Es ist die Darstellung eines Stücks Grundlagenforschung und eine erste Bestandsaufnahme von anarchistischen Organisationen, Milieus sowie lebensgeschichtlichen Prägungen in diesem Bereich. Der Vielzahl der Wege in den Widerstand und der Pluralität der Widerstandswirklichkeiten wird damit ein Stein wieder eingefügt.
Berichtsband eines Workshops der Forschungsstelle Widerstandsgeschichte der Freien Universität Berlin und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
Mit Beiträgen von Hubert van den Berg, Knut Bergbauer, Dave Berry, Ronald Creagh, Andreas G. Graf, Gerd-Rainer Horn, Dieter Nelles, Hartmut Rübner, Reiner Tosstorff, Tânia Ünlüdag, Günter WernickeInhalt und Vorbemerkung (PDF)
Klaus-Peter Möller
Der wahre E
Ein Wörterbuch der DDR-SoldatenspracheBroschur, 338 Seiten mit Schwarzweißabbildungen
2000, 2. durchges. u. erg. Aufl. 2000 ISBN 3-931836-22-3 DM 39,80Das Wörterbuch erschließt erstmals die außergewöhnliche Lexik der DDR-Soldatensprache und ermöglicht so deren Einbeziehung in vergleichende militärhistorische und philologische Forschungen. Erst nach der Wende von 1989 war es möglich, dieses Thema wissenschaftlich zu bearbeiten. Vor allem aber ist es ein Buch, in dem sich die ehemaligen Wehrpflichtigen der DDR wiederfinden können die Sprache, die sie gesprochen haben, die Probleme, die sie beschäftigten. Erfaßt wurde die Soldatensprache im weitesten Sinn, also die Sprache der Soldaten wie der Offiziere, der NVA wie der Grenztruppen, der Bereitschaftspolizei, des Wachregiments, der Baueinheiten des Ministeriums für Nationale Verteidigung, der Luftstreitkräfte, der Landstreitkräfte wie der Volksmarine. Durch die Aufzählung der Wörter und Phraseologismen, die für den Alltag der Soldaten und Offiziere charakteristisch waren, werden auch die Verhältnisse, unter denen sie lebten, sichtbar. Der Wehrdienst in der DDR war geprägt von kleinen Schikanen und großen Entwürdigungen, von Heuchelei und Anpassung, von Gewalt und ohnmächtiger Wut, von rücksichtsloser Unterdrückung und freiwilliger Unterwerfung. Das Wörterbuch zeigt den wahren »E«, den Wehrdienstleistenden, wie er war, sprach und dachte.
Zusammengetragen wurde das Material durch Befragungen, Umfragen in Zeitungen, Zeitschriften und im Rundfunk und nicht zuletzt durch die Sammeltätigkeit des Verfassers während des eigenen Armeedienstes in der NVA. Neben dem lexikographischem Material werden auch interessante Dokumente des Armeealltags der Wehrdienstleistenden wie Fotos von rituellen Handlungen (Bandmaßanschnitt) oder selbst ausgestellte EK-Urkunden und Abbildungen von Idolen der E-Bewegung veröffentlicht. Das Buch besteht aus dem eigentlichen Wörterbuch (Glossar), in dem die Lexik erfaßt und knapp erklärt wird (grammatische Merkmale, Bedeutung, Gebrauchsbesonderheiten, Beispielsätze), sowie einem Anhang, in dem Beispiele aus dem offiziellen Sprachbereich aufgelistet sind, um die Diskrepanz zwischen der Soldatensprache im engeren Sinn und der Militärsprache (militärische Fachsprache und offizielle Befehls- und Kommandosprache) zu verdeutlichen.Inhalt, Einleitung und Beispiel (PDF)
Vgl. auch Asche, Schwedt und Zapfenstreich Der NVA-Jargon: Engagierte Seite in gleicher Sache von Wolfram Steinacker.
Wichtiger Hinweis insbesondere für männliche Gäste aus den Neuen Bundesländern: Autor und Verlag sind natürlich sehr daran interessiert, das Wörterbuch permanent zu vervollständigen. In unserem Gästebuch/Diskussionsforum haben Sie die Möglichkeit, uns Begriffe, Redewendungen, Sprüche, Witze usw. aus der DDR-Soldatensprache, an die Sie sich erinnern, mitzuteilen. Wir freuen uns über jede Nachricht!
Buchpräsentation: Im Potsdamer Alten Rathaus findet am 29.11.2000 um 20.00 Uhr die offizielle Vorstellung des Buches statt. Auf der gemeinsam mit dem Brandenburgischen Literaturbüro durchgeführten und von der »Märkischen Allgemeinen Zeitung« präsentierten Veranstaltung findet ein Podiumsgespräch mit dem Hallenser Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz (»Gefühlsstau« u.a.), dem seit der Flutkatastrophe im Oderbruch 1997 populären General a.D. Hans Peter von Kirchbach und dem Autor Klaus-Peter Möller statt. Es gibt ferner eine Lesung mit dem Potsdamer Schauspieler Klaus Dieter Klebsch sowie eine Vorführung historischer NVA-Werbefilme.
Barbara Felsmann (Hg.)
Beim kleinen Trompeter habe ich immer geweint
Erinnerungen an die Jungen PioniereBroschur, ca. 300 Seiten
Erscheint voraussichtlich I/2002 ISBN 3-931836-55-X ca. DM 39,80Das Wissen über die »Jungen Pioniere« ist heute wenig differenziert, die Erinnerungen sind voller Klischees. Bürger aus den neuen Bundesländern bedauern häufig, daß es eine solche Organisation, die sich um den Freizeitbereich der Kinder und Jugendlichen kümmert, nicht mehr gibt, und den Altbundesbürgern fällt meist nur der Vergleich zur Hitlerjugend ein.
Barbara Felsmann führte zahlreiche Gespräche sowohl mit ehemaligen Pionieren als auch mit Menschen, die sich der staatlichen Organisation verweigerten, und ließ sie von deren Erlebnissen, Konflikten und Träumen in ihrer Kindheit in der DDR berichten. Besonders interessierte die Herausgeberin, wie diese Erlebnisse das spätere Leben der Befragten prägten, welch unterschiedliche Wege sie, obwohl sie doch alle zu »klassenbewußten Sozialisten« erzogen werden sollten, schließlich gegangen sind. Die Erinnerungen umfassen aber auch die Normen und militanten Formen der Pionierorganisation: die feierliche Aufnahme, die zehn Gebote, die Pionierkleidung, den Gruppen- und Freundschaftsrat, ferner Fahnenappelle, Wandzeitungen, Pioniermanöver, Ferienlager, Altstoffsammlungen, Pioniertreffen usw.
Die Berichte werden flankiert und teilweise gebrochen von historischen Dokumenten, beispielsweise von Zitaten aus dem »Handbuch der Pionierleiter«, aus den Zeitschriften »Trommel« und »Frösi«, aber auch aus Kinderaufsätzen. Am Ende des Buches findet sich eine Zeittafel mit wichtigen Daten und Fakten von der Gründung bis zur Auflösung der Organisation.
Barbara Felsmann und Annett Gröschner (Hg.)
Durchgangszimmer Prenzlauer Berg
Eine Berliner Künstlersozialgeschichte in SelbstauskünftenBroschur, 572 Seiten
1999 ISBN 3-931836-11-8 DM 39,80Berlin-Prenzlauer Berg ist ein Ostberliner Innenstadtbezirk wie jeder andere auch. Doch bereits seit den 60er und dann verstärkt in den 80er Jahren siedelten sich in der ansonsten eher proletarisch geprägten Gegend nebenher viele Künstler, Studenten, Intellektuelle, Punks und andere nicht eben stromlinienförmige Existenzen an. Zwischen ihnen entstand so etwas wie eine geistige Infrastruktur. Diese war in ihrer Art nicht einzigartig, aber doch von beträchtlicher Ausstrahlung auch in andere Gegenden Berlins und der DDR. Heute ist sie zum touristisch verwursteten Mythos verkommen. Um der Erfahrung der Wirklichkeit wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, führten die mit den früheren »Szenen« Ostberlins gut vertrauten Autorinnen Barbara Felsmann und Annett Gröschner eine Vielzahl von Gesprächen mit Protagonisten oder auch eher stillen, dabei ebenso kenntnisreichen «Randfiguren«. So gelang, was vor ihnen noch kaum jemand ernsthaft versucht hat: das vielschichtige, widersprüchliche und mitunter verwirrende Gewebe des Gewesenen nicht durch Schwelgen in Klischees und Vorurteilen zu ersticken, sondern so unprätentiös wiederzugeben, wie es damals war.
Über Wohnungen, Kneipen, Arbeit, Träume, Ausreise, Kunst und Politik berichten Mario Achsnick, Tina Bara, Peter Brasch, Elke Erb, Lothar Feix, Jörg Foth, Klaus Gendreizig, Sergej Gladkich, Gerhard Hillich (?), Bernd Holtfreter, Burkhard Kleinert, Günter Lindner, Wolfgang Krause, Ruth Kothe, Wilfriede Maaß, Grischa Meyer, Bert Papenfuß, Ulrike Poppe, Richard Pietraß, Franka Silberstein, Hans Scheib, Petra Schramm, Brigitte Struzyk, Heiner Sylvester, Peter Wawerzinek, Ulrich Wüst sowie die Herausgeberinnen selbst.Inhalt und Einleitung (PDF)
Siehe auch Peter Böthigs Arbeit zur nichtoffiziellen Literatur in der DDR der 80er Jahre »Grammatik einer Landschaft«
Lesungen:
Sonnabend, 27. November 1999, 20.00 Uhr im Theater unterm Dach, Berlin-Prenzlauer Berg, Danziger Straße 101 (Buchvorstellung)
Dienstag, 21. März 2000, 19.30 Uhr in der Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte Schloß Rheinsberg
Montag, 10. April 2000, 19.30 Uhr im Willy-Brandt-Haus (Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin), veranstaltet vom SPD-Kulturforum. Begrüßung durch den Bundestagspräsidenten und Vorsitzenden des SPD-Kulturforums Wolfgang Thierse; Moderation der anschließenden Diskussion durch Thomas Krüger
Montag, den 15. Mai 2000, 20.00 Uhr im Café Burger. Peter Wawerzinek und Franka Silberstein kochen Soljanka.
Sonnabend, den 27. Mai 2000, 21.00 Uhr in der Stadtbezirksbibliothek Berlin-Prenzlauer Berg
Freitag, den 16. Juni, 11.00 Uhr im Literaturforum des Brecht-Hauses Berlin im Rahmen der von der Humboldt-Universität und dem Brecht-Haus veranstalteten Konferenz »Ankunft ist nur eine Randerscheinung? Die inoffizielle DDR-Literaturszene im ersten gesamtdeutschen Jahrzehnt. Eine Bestandsaufnahme«.
Donnerstag, den 21. September, 19.30 Uhr im Bürgerhaus Berlin-Grünau, Regattastr. 141
Christian Hufen
Fedor Stepun
Ein politischer Intellektueller aus Rußland in Europa. Die Jahre 18841945Broschur, 583 Seiten, 22 Schwarzweißabbildungen
2001 ISBN 3-931836-35-5 DM 68,Der Philosoph, Soziologe und Schriftsteller Fedor Stepun (18841965) gilt hierzulande als interessanter, allerdings kaum noch gelesener deutschsprachiger Rußland-Interpret. Die Monographie entdeckt Stepun als einen grenz- und genreüberschreitend wirkenden politischen Intellektuellen. Ausgehend von umfangreichen Archivfunden werden der Lebensweg des in Moskau gebürtigen, seit 1922 in Deutschland lebenden Exilanten rekonstruiert und dessen zweisprachiges Werk und Wirken in den Zwischenkriegsjahren als origineller und hochaktueller Beitrag zu einer transnationalen europäischen Kultur dargestellt. Im Zentrum der Arbeit stehen eine intellektuelle Lebensführung unter Exilbedingungen, vor allem aber die geschichtsphilosophische Interpretation der Russischen Revolution von 1917, die Stepun als Redner, Publizist und Professor für Soziologie an der Technischen Hochschule zu Dresden (192637) entwickelt hat. Thema ist auch Stepuns so überraschend tiefgründige wie poetische Auseinandersetzung mit deutscher Ideologie, Demokratiefeindlichkeit und dem Vormarsch der Diktaturen in Europa.
Inhalt und Einleitung (PDF)
English Summary
Summary Fedor Stepun (18841965) was born in Moscow as the oldest son of an East-Prussian tradesman. His assimilated mother was of a Calvinist family by Finish-Swedish origins. After university studies in Germany (Heidelberg, Freiburg i.B.; 190310) he worked in various professions before 1914. He became a Russian officer during the First World War and he was the leading expert for anti-Bolshevik propaganda in the War office of the Provisional government under Kerensky. After the Bolshevik upheaval he gave up his political activities and concentrated on cultural activities as an journalist in oppositional newspapers, a theater producer, orator and publicist in Moscow. When Lenin decided to expel a large group of national intelligentsia from Soviet-Russia to Germany in autumn 1922 Stepun was one of them. He lived as a privileged exile in Germany to his death in 1965. Fedor Stepun is the author of a three-volume autobiography (Vergangenes und Unvergängliches. München 194650; Russian edition New York 1956), giving a complex description of Russian society at a time of change and depicting his life as a remarkable political intellectual in the first half of the 20th century. Stepun is a gifted portraitist of the political establishment and of both the scientific and artistic elites, but also a keen analysist of political events and social movements. His autobiography includes philosophical reflection about the epoch, which in general was seen by the author in terms of the decay of democracy and the rise of totalitarism. This work was written when Stepun had lost his job at the Technische Universität Dresden, where he had been a professor of sociology between 1926 and 1937. The book is also reflects the hopeless situation of Russian migr community in Western Europe under Hitler and Stalin. Stepun, who was never a member of a political party, but remained in close contact to right-wing leaders of the Social Revolutionary Party (PSR), continued to be a notable critic of the radical intelligentsia in exile. He published his Reflections on Russia in SOWREMENNYE ZAPISKI (Contemporary annals), the leading migr journal in Paris, from 1923 on. With his articles and speeches he fought for the unification of anti-Bolshevik Russian democrats. But when all his attempts failed and it became clear that the Russian exile community had no more political influence in Europe, Stepun and some friends founded NOWY GRAD (New catacombs, Paris 193139). There they published theoretical works outlining their concept of the Russian emigration as the safeguard of Russian culture and they proposed models for both a future Russian democracy and the opposition of Christian Democratic European intellectuals to totalitarism. Stepun as publicist, literary critic and theorist of the Russian emigration is today as unknown in Germany as his Russian articles on Germany and his vision of a transnational European culture are. My dissertation investigates the intellectual life and works of Fedor Stepun between 1922 and 1940. I begin with a critical analysis and reconstruction of the first part of his biography (18841922), where I devolop my interpretation of Stepun as an outsider in pre-revolutionary Russian society (Chapter I). The following main part of the dissertation shows how, after he had been expelled from Soviet-Russia in 1922, Stepun succeeded in establishing his position in Germany with the help of German-Jewish collegues and in Russian-migr Paris with the help of Russian-Jewish friends (Chapter II). There follows detailed information on his career as a sociologist in Dresden and about Stepun as a public figure in both Germany and the Russian diaspora (Chapter III). Finally I consider Stepun's role as a professor and his position in the intellectual oppositional in Nazi-Germany. There are at least three main points that make Stepun an intellectual figure worthy of further studies. 1.) His life and work after 1922 show in an exemplary way how he survived and continued to work under the new conditions of exile. 2.) He was a political intellectual, who established dialogue and public work to break the self-isolation of both Russian and German intellectuals before and between the wars. He was the first professor who taught the history of the Russian revolution at German universities. My dissertation contains the first compilation of his texts and history of his life during his Dresden years. 3.) We can now understand Stepun as a European intellectual, who was forced by his outsider position to work for cultural emancipation. Here we can observe continuity from his work as co-founder of LOGOS, the first international philosophical journal (Tübingen 190914, Moscow 191014) to NOWY GRAD in the 1930s.
Christopher Oestereich
»Gute Form« im Wiederaufbau
Zur Geschichte der Produktgestaltung in Westdeutschland nach 1945Broschur, 537 Seiten
2000 ISBN 3-931836-43-6 DM 78,In den Jahren des Wiederaufbaus veränderte sich die Warenwelt der westdeutschen Gesellschaft tiefgreifend. Der modernen Gestaltung mit ihrer Formensprache, ihren ökonomischen Methoden der Produktplanung und des Vertriebs, ihrem ideellen und politischen Anspruch gelang der Durchbruch; der noch heute umstrittene Begriff des »Design« setzte sich durch. Doch hinter der »Form« der Dinge verstecken sich Interessen und Ideen und werden Auseinandersetzungen ausgetragen. In der Adenauerzeit geriet Produktgestaltung zur politischen Streitfrage, zum Faktor wirtschaftlichen Handelns, zur Frage kultureller und politischer Identität sie wurde zum Gegenstand der öffentlichen Debatte weit über den Bereich »angewandter Kunst« hinaus und war verbunden mit der Modernisierung der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
Erstmals wird Produktgestaltung unter gesellschafts-, kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Fragestellungen umfassend betrachtet: Auf welche Traditionen stützten sich die Bemühungen um eine breit angelegte Reform der Gestaltung nach 1945? Welche Interessen verbanden sich mit der Förderung moderner Gestaltungsgrundsätze durch Politik, Handwerk, Handel und Industrie? Wie setzten sich diese Ideen im Wirtschaftsprozeß durch? Welche Funktion hatte die Gestaltung für die Position der Bundesrepublik Deutschland auf internationalem Parkett? Welche Rolle besaßen Verbraucherinnen und Verbraucher?Inhalt und Einleitung (PDF)
Henri Band
Mittelschichten und Massenkultur
Siegfried Kracauers publizistische Auseinandersetzung mit der populären Kultur und der Kultur der Mittelschichten in der Weimarer RepublikBroschur, 246 Seiten
1999 ISBN 3-931836-25-8 DM 48,Das Buch rekonstruiert Siegfried Kracauers publizistischen Beitrag zur Erfassung der massenkulturellen Phänomene der zwanziger und dreißiger Jahre. Besondere Rücksicht gilt der in seinen Essays wiederholt porträtierten Kultur der Mittelschichten. In der Monographie »Die Angestellten« untersuchte Kracauer auf der Basis umfangreicher Recherchen in Berlin die für das Leben der großstädtischen Angestellten charakteristische Symbiose von rationalisierten Großbetrieben, urbanen Milieus, medial bestimmter Öffentlichkeit und kulturindustriell zubereiteter Zerstreuungskultur. Seine Kritik am Kultur- und Sportbetrieb galt den Versuchen, die Freizeitpraktiken der Massen weltanschaulich oder machtstrategisch zu instrumentalisieren, und der gerade in Deutschland verbreiteten Neigung, selbst noch ihre Vergnügungen künstlerisch zu adeln oder rational zu organisieren. Die Zerstreuung kann ihr emanzipatorisches Potential jedoch nur dort entfalten, wo sie ihren improvisatorischen Charakter behauptet.
Inhalt und Einleitung (PDF)
Die Homepage von Henri Band
Ralph Hammerthaler
Die Weimarer Lähmung
Kulturstadt Europas 1999 Szenisches Handeln in der PolitikBroschur, 309 Seiten
1998 ISBN 3-931836-19-3 DM 48,Der Schreck lähmte die Glieder: Weimar soll, so haben die Kulturminister der Europäischen Union beschlossen, im Jahr 1999 »Kulturstadt Europas« sein. Was tun? Die Politiker sind uneins, die Bürger skeptisch, die Kassen leer. Doch die hohen Erwartungen an die kleine Stadt an der Ilm lassen sich immer weniger verdrängen. Die Zeit wird knapp, und der Blick auf die Uhr gehört zum szenischen Repertoire jeder öffentlichen Äußerung.
Plötzlich erkennt dann der eine oder andere doch, was da für ihn herausspringen könnte vorausgesetzt »1999« wird ein Erfolg. Also wendet man sich mit Appellen, Informationen und einer forcierten Gemeinwohlrhetorik an die Bevölkerung, um sie für das Kulturstadtprojekt zu gewinnen. Dabei bleiben die tatsächlichen Interessen, seien sie politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Natur, zumeist im Verborgenen, die Öffentlichkeit wird durch »Szenen« manipuliert.
Dieses Buch versucht zu zeigen, wie das gemacht wird. Es untersucht, was eine öffentliche Szene aus welchen Gründen preisgibt und was aus welchen Gründen nicht.Inhalt und Einleitung (PDF)