Geschichte: Rezensionen
Almut Andreae / Udo Geiseler (Hg.):
Die Herrenhäuser des Havellandes
Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart
Begonnen hatte die Arbeit vor drei Jahren im Rahmen eines vom Arbeitsamt und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts für arbeitslose Akademiker. Verschiedene Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Schlössern und Herrenhäusern im Land Brandenburg. Architekten, Kunsthistoriker, Bauingenieure, Schriftsteller, Grafiker, Fotografen und Historiker zogen aus, Spuren zu sichern. Andreae und Geiseler waren mit einer Gruppe im Havelland unterwegs. »Ältere Bewohner haben uns Fotos zur Verfügung gestellt und aus ihren Erinnerungen berichtet. Es war eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit«, berichtet Almut Andreae. Unter Berücksichtigung des Archivmaterials und der Fachliteratur wurde daraus eine umfassende Dokumentation. »Alle Informationen wurden geprüft, so daß die Arbeit wissenschaftlichen Ansprüchen genügt«, versichert Udo Geiseler. Ziel sei es gewesen, für die Bewohner des Havellandes und für Fachleute gleichermaßen interessant zu schreiben.
In 69 Texten wurden 79 Häuser mit ihrer Baugeschichte, den Schicksalen der Bewohner und ihrer Nutzung bis in die Gegenwart vorgestellt. Die Autoren machten um die Zeit nach 1945 keinen Bogen, legten dabei aber Wert auf eine Situationsbeschreibung ohne Polemik. Von den beschriebenen 79 Häusern sind rund zwei Drittel erhalten, auch wenn einige in sehr schlechtem Bauzustand sind. Abrisse gab es infolge von Kriegszerstörungen, in den 50er Jahren und noch einmal in den 70er Jahren. Auch nach der Wende sind vereinzelt noch Häuser »verschwunden«, etwa weil eine Saniening zu aufwendig schien.
Vor einem Jahr war die ABM-Stelle für die acht Herrenhaus-Forscher im Havelland ausgelaufen. Andreae und Geiseler machten in ihrer Freizeit allein weiter und machten aus den Autorenbeiträgen ein Gesamtwerk. Außerdem warben sie um Unterstützung. Die Landesregierung als Fördernmittelgeber, die Mittelbrandenburgische Sparkasse und weitere Spender beteiligen sich an den Druckkosten. »So ein Buch ist auch ein Appell für den Erhalt dieser Häuser. Sie prägen das Bild einer Gemeinde, schaffen Identifikation und beleben den Tourismus«, sagt Kai Wulfes, Pressesprecher der Mittelbrandenburgischen Sparkasse.
Mit dem Buch ist für Andreae und Geiseler die Arbeit an den Herrenhäusern des Havellandes abgeschlossen. »Es war eine spannende Erfahrung«, sagt Udo Geiseler und hebt das Zusammenspiel von Leuten mit Ost- und West-Herkunft, aus unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichen Alters hervor. Einen Wiedereinstieg in den Beruf erreichte durch die Projektarbeit jedoch keiner. Der Historiker Udo Geiseler ist heute Referendar an einer Schule in Brandenburg. Die Kunsthistorikerin Almut Andreae aus Groß Glienicke sucht wieder nach einem neuen Tätigkeitsfeld. »Märkische Allgemeine«, 8. August 2001
»Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes«
Zur Frühgeschichte des Bistums Havelberg
Wann wurde das Bistum Havelberg gegründet - 946 oder 948? Vielleicht gar erst 965? Seit 100 Jahren gibt es den Streit der Historiker um die Stiftungsurkunde des Bistums, wird die Echtheit der von Otto I. ausgestellten und nur in einer Abschrift von 1667 erhaltenen Gründungsurkunde angezweifelt. Neue Nahrung erhielt er im Vorjahr durch eine Arbeit von Clemens Bergstedt. [...] Bergstedt hat sich intensiv mit der Bistumsgeschichte beschäftigt. Er geht von einer Analyse der politischen Situation im rechtselbischen Gebiet um die Mitte des 10. Jahrhunderts aus, die durch ständige Unruhen und Kämpfe mit den Slawen gekennzeichnet war also denkbar schlechte Voraussetzungen für die Bildung eines Missionsbistums bot. Erst um 965 so meint er hatte sich die Lage beruhigt. Die slawischen Stämme erkannten die deutsche Herrschaft an und zahlten Tribut. »Eine Datierung auf das Jahr 965 paßt viel besser zu den politischen Verhältnissen in den Gebieten zwischen Elbe und Oder als auf die Jahre 946 oder 948«, schreibt der Autor. Seine These versucht er durch eine Neuidentifizierung des »Slawenbischofs« Tuto zu untermauern [...]. Der eigentliche Schwerpunkt des Buches liegt aber auf der Darstellung der Geschichte des Havelberger Hochstifts und der Machtverhältnisse in der heutigen Prignitz. [...] Mit einer nahezu verwirrenden Anzahl von Daten, Fakten und Personennamen versucht Bergstedt, das Wirken der überregionalen Kräfte in der Prignitz [..] sichtbar zu machen und die 300jährige Entwicklung des Bistums als Wechselspiel zwischen Reichs- Landes- und Regionalgeschichte darzustellen. Bergstedts Buch man hätte sich eine bessere Ausstattung gewünscht ist reich illustriert und enthält ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis. Es ist zweifellos für jeden Heimatfreund ein interessantes und lesenswertes Werk. Edgar Steiner in der »Havelberger Volkstimme«, 03.02.2001
Von diesem Band des Potsdamer Historikers kann man zu Recht behaupten, daß er eine Lücke in der Geschichtsschreibung der Prignitz und der Mark Brandenburg füllt. Clemens Bergstedt spannt mit seiner gründlich recherchierten, auf umfangreichen Quellen- und Literaturstudien basierenden sowie brillant analysierten Untersuchung zur Frühgeschichte des Bistums Havelberg einen Bogen von der Gründung des Bistums Havelberg im 10. Jahrhundert bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Seine dabei m.E. zu Recht aufgestellten und wissenschaftlich begründeten neuen Thesen zu wesentlichen politischen Ereignissen der frühen märkischen Geschichte, wie zum Beispiel der Gründung des Havelberger Bistums oder der Herrschaftsbildung in der Prignitz, werden der Landesgeschichtsforschung mit Sicherheit neue und deutliche Impulse geben und wohl auch eine kontroverse Diskussion in Fachkreisen hervorrufen, die eine veränderte Betrachtungsweise der Entstehungsgeschichte der Bistümer Brandenburg und Havelberg verlangen. [...] Überzeugend gelingt es Bergstedt darzustellen, daß das Havelberger Bistum nicht nur kirchliche Institution, sondern auch ein weltliches Fürstentum war, das einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Christianisierung und Kolonisierung der Prignitz im Verlauf des 12. Jahrhunderts und an der Herrschaftsbildung in dieser Region hatte und als solches stets auch auf wandelnde Kräfteverhältnisse reagieren mußte. Bergstedts großer Verdienst ist es, diese Entwicklungen und Zeitabläufe erstmals in umfassender und detailreicher Form im Kontext der Reichs- und Landesgeschichte ausführlich darzustellen, so daß viele komplizierte, vor allem politische Zusammenhänge und Abläufe der hochmittelalterlichen Ostkolonisation deutlicher und damit der historisch interessierten Allgemeinheit besser zugänglich gemacht werden. [...]Das umfangreiche Quellen- und Literaturverzeichnis birgt zusätzlich quasi eine aktuelle umfassende Bibliographie zur deutschen Reichs- und Kirchenpolitik des 10. bis 14. Jahrhunderts. Das Buch schließt eine Lücke in der Regionalgeschichtsschreibung für die Prignitz und die Mark Brandenburg selbst und ist allen, die sich für die Frühgeschichte dieser Landschaften interessieren, dringend zu empfehlen. Torsten Foelsch im Mitteilungsblatt der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V., 101. Jg., Nr. 3, 9/2000
Rolande, Kaiser und Recht
Zur Rechtsgeschichte des Harzraums und seiner Umgebung
Band XI der Harz-Forschungen (= Forschungen und Quellen zur Geschichte des Harzgebietes)Die zwölf Aufsätze und die ihnen vorangestellte Einführung von Dieter Pötschke bieten eine große Zahl von Anregungen, Thesen und Forschungsergebnissen [...] Unbedingt zu nennen sind aber die Beiträge zur Diskussion über die Bedeutung der Rolandstandbilder. Der Gedankenaustausch darüber hat bis heute nicht zu einem Communis opinio geführt, und das wird, so scheint es beim gegenwärtigen Stand der Dinge, auch in naher Zukunft wohl nicht anders sein. Daher scheut sich der Herausgeber, drei verschiedene Erklärungsversuche nacheinander abzudrucken. [...] Daß im vorliegenden Band nicht apodiktisch für eine der drei Ansichten Partei ergriffen wird, ist dem Stand der Diskussion angemessen und ein Zeichen wissenschaftlicher Redlichkeit. Es paßt zu der ungezwungenen Konzeption des Buches, das Beiträge zu einer langandauernden Debatte liefert, nicht aber rasche Lösungen.
Das Konzept des Buches bietet aber auch Anlaß zu Kritik. Denn der Band vereinigt nicht nur thematisch heterogene Beiträge, sondern auch solche verschiedenen Alters. Das ist durchaus legitim. Es wird allerdings nur selten deutlich gemacht, aus welchem Jahr der jeweilige Aufsatz stammt und auf welchen Forschungsstand er sich demnach bezieht. Stefan Pätzold im »Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands«, Bd. 46(2000), S. 352354Mit dem 11. Band aus der Reihe der Harzforschungen liegt ein Band vor, der dem Außenstehenden einen Überblick über den Stand der Rolandsforschung vermittelt. Die Einführung faßt die Ergebnisse der 1994 in Quedlinburg abgehaltenen Tagung und der konstituierenden Tagung der Fachkommission Rechtsgeschichte des Harzvereins im Jahre 1997 in Ilsenburg zusammen und verbindet die einzelnen Beiträge. Hatten frühere Tageungen sich mit der Bestandsaufnahme der Rolande sowie mit rechts- und stadtgeschichtlichen Fragestellungen beschäftigt, so wurde diesmal der Schwerpunkt auf die rechtliche Bedeutung und auf die Stellung des Monarchen in den Rechtsbüchern gelegt. Die einleitende Verknüpfung ist um eine Darstellung der Entwicklung der einzelnen Zweige in der Rolandsforschung erweitert, so daß der Leser recht schnell den notwendigen Überblick erhält, den er benötigt, um die einzelnen Sichtweisen möglichst schnell verknüpfen zu können. Der interessierte Laie kann sich über die Einführung gezielt in seinen speziellen Themenkreis einarbeiten. Die Erfordernis eines künftigen interdisziplinärenVorgehens wird betont. Wir erfahren von der Stellung des Monarchen in den deutschen Rechtsbüchern, von der rechtlichen Bedeutung der Rolande, von Rechtsbüchern und schließlich vom Einsatz technischer Hilfsmittel, die Erleichterungen für die Forscher vermuten lassen. Fritz Wochnik im Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte, 51 (2000)