Damals in Braunland  

Damals in Braunland

Autobiographische Episoden

ISBN 978-3-936872-67-5

134 Seiten
13,0 x 21,0 cm
Festeinband mit Schutzumschlag

September 2005
Preis 12,90 €

Hans-Dieter Schmidt war bis zur Berentung 1992 Professor für Entwicklungs- und Persönlichkeits­psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Einem breiten Publikum in der DDR wurde er bekannt durch seine Bücher »Entwicklungswunder Mensch« und »Schritt um Schritt«.

Daß ein Entwicklungspsychologe, der sich soviel mit Kindern­ beschäftigt hat, sich irgendwann der eigenen Kindheit zuwendet, scheint nahezuliegen, aber um Psychologie bzw. Ent­wick­lung im psychologischen Sinne geht es in »Damals in Braunland« nicht. Hier wird in klug komponierten Episoden anschaulich aber konzentriert erzählt, was der junge Hans-Dieter­ Schmidt bis hin zum Ende des »Dritten Reiches« erlebt hat.

Es handelt sich um den Alltag eines »deutschen Jungen« in der Provinz in dieser Zeit. Die Qualität dieser Erinnerungen liegt nicht in spektakulären Ereignissen; der Jugendliche hat nicht Hitler die Hand geschüttelt, er hat keinen sowjetischen Panzer abgeschossen oder Widerstand geleistet. Die Qualität liegt in der Genauigkeit, mit der erzählt wird, in der Objektivität, mit der das Geschehen und Erleben erfaßt sind. Was das Erlebte bedeutet? Was es mit dem Leben des Lesers, mit dem Heute zu tun haben könnte? Diese Fragen stellen sich am Ende der Lektüre­ von alleine. Dem Autor haben sich diese Fragen auch gestellt, und er hat sie am Ende der Aufzeichnungen, auf weniger als einer Seite, zu beantworten gesucht. Er hoffe, so heißt es dort, sein Buch könne »als Denkhilfe« nützlich sein. Erinnerung als Denkhilfe – treffender läßt sich der Wert dieses Buches nicht bezeichnen.

Die autobiographischen Episoden, die in diesem Buch erzählt werden, waren als Aufzeichnungen für die eigenen Enkel bestimmt. Man möchte das fast nicht glauben, so knapp und bei aller Anschaulichkeit konzentriert wird hier berichtet. Nicht ein Satz zuviel; und, wie man am Schluß der Lektüre merkt, nicht ein Satz zu wenig. Ein klug komponiertes, diszipliniert geschriebenes Werk, das die Zeit der Kindheit und Jugend des Verfassers heraufführt. Er war sechs Jahre alt, als die Nazis an die Macht kamen, und achtzehn, als das »Dritte Reich« unterging. Ein ge­wöhnlicher deutscher Junge in einem Nest in der Provinz. Erlebt hat er nur das, was damals in Deutschland – und für die im Sinne der Nazis »Deutschen«! – Alltag war. Nun ist der Alltag, zu allen Zeiten, an allen Orten, überwiegend banal. Was macht, daß auch eine Nacherzählung in der Gefahr steht, überwiegend banal zu werden. Es sei denn, der Erzähler versteht es, und das ist in diesem Buch geglückt, sozusagen die Hintergrundstruktur des Banalen in seiner Nacherzählung aufzudecken. Denn »äußere« Mächte beeinflussen diesen quasi naturwüchsigen Rhythmus alltäglichen Lebens, formen ihn, setzen Anreize, prägen das Umfeld, die Schule und die Lehrer, die Freizeit usw. Das Banale kann das Böse werden! Der Autor läßt derlei Reflexio­nen in die Darstellung nicht einfließen, seine Schlußfolgerungen finden sich am Schluß des Buches auf weniger als einer Seite dargelegt, mehr für sich bzw. die Enkel als für den Leser. Der wird durch die Erzählung selbst zum Nachdenken angeregt, über damals – und über heute.

 

Informationen zu...