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Die Aufhebung der Zeit in das Schicksal

Zur "Poetik" des Aristoteles

ISBN 978-3-931836-99-3
Juni 2003

86 Seiten
14,8 x 21,0 cm
Broschur

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Der Traktat des Aristoteles über die Tragödie ist ein grundlegender Text zur Philosophie der Kunst. Als einer der ersten im europäischen Denken entfaltet er einen eigenständigen Begriff künstlerischen Vollzugs. Dieser unterscheidet sich von »Natur« auf der einen, »Technik« auf der anderen Seite. Er unterscheidet sich von ihnen aber so, daß er sie zugleich aufeinander bezieht und ihre systematische Zusammengehörigkeit sinnfällig macht. Im Gegensatz zu der seit gut 150 Jahren vorherrschenden Tendenz, die Aristotelische Tragödientheorie ausgehend von der tragischen Wirkung zu deuten, geht diese Untersuchung von der tragischen Form, der »Zusammensetzung der Geschehenisse«, aus. Die Wirkung der Tragödie erläutert sie als politisches und soziales explicandum der Form.

Die Tragödie hat das Ziel, eine Identifikation mit dem tragischen Helden so herbeizuführen, daß ihre praktische Folge, ein individuelles Aufbegehren gegen das gesellschaftliche Allgemeine, verhindert wird. Anders als Platon betrachtete Aristoteles die von der Tragödie freigesetzten Affekte nicht als Gefährdung der Polis. Der dem tragischen Schicksalsprozeß analoge Affektprozeß hat vielmehr den umgekehrten Sinn, ein solches Gefährdungspotential auszuschalten. Die philosophische Ästhetik koinzidiert hier mit der Verteidigung gesellschaftlicher Herrschaft.

Für die Wirkungsgeschichte der Aristotelischen »Poetik«, für die einander epochal folgenden Deutungskonjunkturen, denen zumal der Satz über die Wirkung des tragischen Geschehens unterlag, ist dieser gesellschaftliche Sinn grundlegend, nie aber thematisch gewesen.

 

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