Christiane Goos, Barbara Schieb, Claudia Schoppmann, Martina Voigt (I)
Ich habe das getan, weil ich es einfach tun musste
Hilfe für verfolgte Juden in Deutschland 1933–1945
Stille Helden – Widerstand gegen die Judenverfolgung in Europa 1933–1945
Festeinband. durchgängig vierfarbig, 600 Seiten, 170 x 240 mm, zahlreiche teils farbige Abbildungen
1. Auflage, ersch. 16 Februar 2026
noch nicht erschienen
ISBN 978-3-86732-483-0
Unmittelbar nach ihrer Machtübernahme in Deutschland 1933 begannen die Nationalsozialisten mit der Entrechtung, Enteignung und Austreibung der jüdischen Bevölkerung. Etwa zwei Drittel der jüdischen Minderheit flohen bis zum Verbot der Auswanderung im Oktober 1941 außer Landes. Dann begannen die reichsweiten Deportationen in Ghettos und zu Vernichtungsstätten. Mehr als 170 000 deutsche Jüdinnen und Juden wurden zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet.
Ungeachtet jahrelanger antisemitischer Propaganda solidarisierte sich eine – wenn auch nur verschwindend kleine – Minderheit deutlich mit den Verfolgten. »Trotz der Gefahr konnte ich nicht anders handeln«, erinnerte sich die Berlinerin Georgette Gruschke an ihren lebensrettenden Einsatz. Anfangs wollten sie deren Not lindern und bei der Emigration helfen. Besonders riskant aber waren Hilfen für die etwa 10 000 bis 12 000 Jüdinnen und Juden, die sich ab Herbst 1941 in Deutschland vor ihren Verfolgern verbargen oder illegal über die Grenzen fliehen wollten. Obwohl sie oft versuchten, mit einer vorgetäuschten Identität zu überleben, benötigten sie laufend Hilfen bei der Beschaffung von Quartieren, Lebensmitteln und gefälschten Ausweisen. Die meisten von ihnen wurden jedoch gefasst und ermordet. Der vorliegende Band zeigt anhand von elf Beispielen die Rettungsanstrengungen sowohl der Verfolgten selbst als auch ihrer nichtjüdischen Helferinnen und Helfer.
Barbara Schieb
Barbara Schieb, 1958 in Recklinghausen geboren, studierte Geschichtswissenschaft und Germanistik in Freiburg i.Br. und Berlin. Seit 1986 forscht und publiziert sie über verschiedene Aspekte der Judenverfolgung während der NS-Zeit in Berlin. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand an der Gedenkstätte Stille Helden, die die Schicksale untergetauchter Juden und das Handeln ihrer Helfer darstellt.
Barbara Schieb verstarb am 12.9.2023 in Berlin.
Claudia Schoppmann
Dr. Claudia Schoppmann, geboren 1958 in Stuttgart, Historikerin und Publizistin, lebt in Berlin.
Nach einem Studium der Germanistik, Geschichte und Publizistik promovierte sie 1990 an der TU Berlin. Ihre Dissertation Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität (2. Aufl. 1997) und der Interviewband Zeit der Maskierung. Lebensgeschichten lesbischer Frauen im »Dritten Reich« (1993) gelten als Pionierarbeiten zur Geschichte lesbischer Frauen im Nationalsozialismus.
Schoppmann war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin) im Projekt »Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland« (2000–2003) und von 2005 bis 2023 in der Gedenkstätte Stille Helden (Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand). Sie hat mehrere Ausstellungen mit kuratiert und Bücher zur Hilfe für verfolgte Jüdinnen und Juden und deren Selbstbehauptung in der NS-Zeit veröffentlicht.
Martina Voigt (I)
Martina Voigt, 1960 in Bonn geboren, studierte Geschichte und Ethnologie in Bonn und Berlin. Sie ist als freie Historikerin zur Geschichte des Nationalsozialismus tätig, vorrangig für die Gedenkstätte Stille Helden in der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand und für Erinnerungsprojekte der evangelischen Kirche. Veröffentlichungen zur nationalsozialistischen Judenverfolgung, darunter zu Flucht und Hilfe für Verfolgte sowie zur Geschichte von SS und Polizei unterm NS-Regime.
Weitere Titel der Reihe
- Das war doch jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft
- Der Wald war ein letzter Ausweg
- Die Last der Angst
- Eine Atmosphäre von Hoffnung und Zuversicht
- Ich gebe zu, dass mir manchmal die Hände zitterten
- Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?
- Rettung kennt keine Konventionen
- Sie wollten mich umbringen, dazu mussten sie mich erst haben
- Von der Unmöglichkeit, die richtige Entscheidung zu treffen
- Wir hätten es nicht ausgehalten, dass die Leute neben uns umgebracht werden




