Jahrhundertschicksale
     
Simone Barck (Hg.), Anneke de Rudder (Hg.), Beate Schmeichel-Falkenberg (Hg.)

Jahrhundertschicksale

Frauen im sowjetischen Exil

Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Reihe A: Analysen und Darstellungen [5]

Broschur, 275 Seiten, 70 Abb., 170 x 245 mm
1., Aufl., Januar 2003
sofort lieferbar
ISBN 978-3-931836-93-1

Preis 20,– €
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Das Exil gilt als sicherer Ort, doch galt dies nicht für das nationalsozialistische Deutschland und für die stalinistische Sowjetunion, die schließlich zum GuLag wurde, in dem viele deutsche Gegner Hitlers drangsaliert wurden. Was dies für den einzelnen Verfolgten bedeuten konnte, machen die Beiträge dieses Bandes deutlich. Sie haben mehr im Auge als das Schicksal von Emigrantinnen, die im Exil auf vielfältigste Weise herausgefordert waren, und fügen sich zu einer eindringlichen Beschreibung extremer menschlicher Herausforderung und Gefährdung. Denn das 20. Jahrhundert war nicht nur das Jahrhundert der Diktaturen, sondern auch der extremen Entheimatung.

Der Sammelband berichtet von unterschiedlichsten Exilgeschichten von Frauen in der Sowjetunion. Er zieht eine Zwischenbilanz der Forschung nach Öffnung der sowjetischen und ostdeutschen Archive und ermöglicht damit vielfältige Einblicke in ein bisher von der internationalen Exilforschung vernachlässigtes Feld. Analysiert werden die Erfahrungen deutschsprachiger Exilantinnen: die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen des sowjetischen Exils, seine beruflichen wie familiären Gegebenheiten und die Realität seines Alltags. Ein zentrales Thema ist dabei der Widerspruch zwischen den meist idealistischen Erwartungen der Hitler-Flüchtlinge und dem schon bald einsetzenden stalinistischen Terror. Viele Frauen kostete der »Große Terror« das Leben. Das schwierige Schicksal der Überlebenden in der Nachkriegszeit, vor allem das verordnete Schweigen über den stalinistischen Terror in der DDR, ist ein weiterer Schwerpunkt des Bandes.

Die Autorinnen und Autoren porträtieren politisch und sozial engagierte Frauen, die ihre Vorstellungen von einer sozial gerechten Welt teuer bezahlt haben. Wir werden Zeuge ihrer verzweifelten Suche nach Erklärungen für den stalinistischen Massenterror und erfahren von Desillusionierung ebenso wie vom Festhalten am sozialistischen Ideal. »Jahrhundertschicksale stellt prominente und unbekannte Frauen gleichermaßen vor und illustriert ihre Lebensgeschichten durch selten gezeigte Fotos aus privater Hand. Ein Gespräch mit Zeitzeuginnen sowie eine erstmals in dieser Ausführlichkeit erstellte Liste von repressierten deutschsprachigen Exilantinnen in der Sowjetunion ergänzen den Band um wesentliche Facetten.

Simone Barck

Simone Barck

1944 geboren, besuchte sie in Greifswald und Rostock die Schule und Universität, arbeitete nach dem Staatsexamen in Germanistik und Slawistik zunächst als Kulturreferentin der Humboldt-Universität zu Berlin, ab 1970 im Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Seit 1992 war sie Mitarbeiterin am Forschungsschwerpunkt Zeithistorische Studien und dem daraus hervorgegangenen Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Nach der »Wende« etablierte sie sich mit ihren richtungweisenden Publikationen zur Kultur- und Literaturgeschichte der DDR in der akademischen und publizistischen Öffentlichkeit.

Simone Barck verstarb im sommer 2007 im alter von 63 Jahren.

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